Geschichten zum Miterzählen

Kinder lassen sich bei jeder Erzählung zum Mitmachen anregen. Man braucht an spannenden Stellen nur zu fragen: Was glaubt ihr, hat der Held nun wohl gemacht? Und schon äußern einige, wie es weitergehen könnte. Passt das in die eigene Geschichte, lässt sich dieser Vorschlag nahtlos einbauen. Weicht er davon ab, kehrt man mit dem Satz zur eigenen Geschichte zurück: „Das hätte er auch tun können, aber in meiner Geschichte hat er etwas anderes getan.“

In „Mitmachgeschichten“ kann die Beteiligung aber auch weiter gehen. Das sind Erzählungen, die nach dem Muster überlieferter „Kettenerzählungen“ angelegt sind. Sie wollen die zuhörenden Kinder dazu anregen, nach dem in den Eingangsepisoden vorgegebenen Muster selbständig weitere Episoden zu erfinden und vor den Zuhörenden vorzutragen. Die formelhaften Wiederholungen erleichtern es, sich eigenständige Beiträge auszudenken. Wo Kinder nur kurze Einwürfe machen, können sie von den Erzählenden vervollständigt werden. Eine durch die Erzählenden gebotene Schlussepisode, die sich nahtlos anschließen lässt, bringt die Geschichte regelgerecht zu Ende, so dass das wechselseitige Erzählspiel zu einer gemeinsamen, aber eben auch vollständigen Geschichte führt.
Mit Kindergartenkindern lassen sich solche Erzählungen auch gut nachspielen, in Schulklassen können die Beiträge der Schüler mit Einstieg und Abschluss der Vorlage als gemeinsame Geschichte aufgeschrieben werden.

Um die Beteiligung der Hörenden zu unterstützen, erscheinen in den Textteilen, die zum Miterzählen gedacht sind, eingerückt gesetzte Vorschläge für weitere Episoden. Wenn die zuhörenden Kinder sich nicht beteiligen möchten, ermöglichen diese Vorgaben, die Geschichten als durchlaufende Erzählung vorzutragen, indem die Erzählenden die angegebenen Stichwörter nach dem Muster der Eingangsepisoden ausfabulieren.

Die anhänglichen Pantoffeln

Weil sie gar so gut ankom­men, trägt Herr Mei­er sei­ne edlen Pan­tof­feln Tag für Tag, bis jeder in unse­rem Vier­tel den komi­schen Kerl kennt, der bei Wind und Wet­ter, Regen und Sturm nur in sei­nen Schlap­pen her­um­lief. Kein Wun­der, dass er sie bald schwe­ren Her­zens ent­sor­gen muss. Aber das war leich­ter gesagt als getan, erst wer­den sie ihm von den Nach­barn wie­der ins Haus gebracht. Dar­um ver­sucht er sie dort los­zu­wer­den, wo ihn bestimmt nie­mand kennt, aber von wegen! Auf den selt­sams­ten Wegen fin­den sie doch wie­der zu ihrem Besit­zer zurück, als ob sie an ihm kle­ben wür­den. Aber auch die­se schier end­lo­se Geschich­te fin­det schließ­lich noch ein über­ra­schen­des Ende. 

Doktor Papagei

Was ein Papa­gei anstellt, der im Behand­lungs­zim­mer im Käfig sitzt und dem Dok­tor abguckt, wie man Men­schen hyp­no­ti­siert. Wie er schließ­lich bemerk­te, dass er selbst auch hyp­no­ti­sie­ren konn­te, sogar den Dok­tor hyp­no­ti­sier­te und selbst den Dok­tor spiel­te, bis das auf­flog, er aber ent­wi­schen konn­te. Man weiß es zwar nicht genau, es ist nur ein Gerücht, aber danach soll er in einer Schul­klas­se auf­ge­taucht und sogar die Leh­re­rin und den Rek­tor hyp­no­ti­siert haben.

Es ist nicht einfach, alles richtig anders zu machen

Herr Mei­er woll­te ja schon immer anders sein als ande­re Men­schen. Die Geschich­te berich­tet, was er alles falsch macht, um sich von ihnen zu unter­schei­den. Damit fällt er natür­lich auf und kommt als Son­der­ling sogar ins Fern­se­hen. Aber das hat ihm lei­der nicht gut getan: zu vie­le Leu­te mach­ten ihm das nach, um auch ins Fern­se­hen zu kom­men. Da muss­te Herr Mei­er doch wie­der alles rich­tig machen, um sich von ihnen zu unter­schei­den, oder?

Die kleine weiße Wolke

Eine klei­ne wei­ße Wol­ke sucht nach einem Freund, aber immer wird sie abge­wie­sen, bis sie dem lus­ti­gen Wind begeg­net. Die bei­den ver­ste­hen sich gut und spie­len den ein­ge­bil­de­ten Bes­ser­wis­sern aller­hand Streiche.

Der verhexte Ring

Wie der ver­hex­te Ring in die Welt kam, was mit dem- oder der­je­ni­gen pas­siert, die ihn am Fin­ger trägt, und wie er von einer Hand zur ande­ren wan­dert, erzählt die­se Geschich­te, die ein ita­lie­ni­sches Mär­chen wei­ter phantasiert.

Die Steinsuppe

Als sich die Leu­te des Dor­fes wei­gern, dem hung­ri­gen alten Land­strei­cher Essen und Unter­kunft zu geben, denkt er sich einen Trick aus, um den­noch satt zu wer­den. Zum Wür­zen wirft er einen Stein in den Topf, und bit­tet die Kin­der ihm noch etwas zu brin­gen, damit die Sup­pe köst­lich schmeckt.

Der Hase macht sich lustig

Frech bit­tet der Hase, ihm sei­ne ins Was­ser gefal­le­ne Hacke aus dem See zu holen. Tat­säch­lich hat er sie in den Zwei­gen eines Bau­mes abge­legt, die sich über der spie­geln­den See­flä­che brei­ten. Beim Ver­such das Spie­gel­bild aus dem Was­ser zu fischen, fin­den die hilfs­be­rei­ten Tie­re dort aber nichts als Was­ser. Bis der Hahn kommt und sei­nem hin­ter­lis­ti­gen Trei­ben ein Ende macht.

Der fürchterliche Platsch

Ein Apfel fällt in einen See und macht Platsch, schon ren­nen die ängst­li­chen Hasen davon, und alle mög­li­chen Tie­re lau­fen ihnen aus Angst vor dem Platsch hin­ter­her. Bis sie der Bär auf­hält und mit ihnen zum See zurück­geht. Dort sehen sie: Es war nur ein Apfel, der ins Was­ser fiel.

Der dicke fette Pfannkuchen

Eine neue Fas­sung der guten alten Geschich­te vom Pfann­ku­chen, der aus der Pfan­ne springt und durch die Welt rollt, den alle, die ihm begeg­nen, ver­s­prei­sen möch­ten, der aber allen ent­wischt, bis ihn sein Schick­sal den­noch ereilt.

Die Katzenhochzeit

Die Kat­ze möch­te hei­ra­ten und wer will das lie­be Kätz­chen nicht zur Frau haben? Aber sie hat an allen etwas aus­zu­set­zen, bis sie den Gras­hüp­fer trifft. Den fin­det sie aller­liebst, aber dann gibt es ein lei­der Unglück beim Hochzeitsschmaus.

Der Kaffeetopf des Riesen

Wie soll er nur das Rie­sen­loch im Kaf­fee­topf des Rie­sen abdich­ten? Der arme Kes­sel­fli­cker holt mit sei­nem Jam­mern ein Küchen­ge­rät nach dem andern aus dem Schlaf. Jedes schlägt aus Mit­leid mit ihm Krach, bis ein Zwerg­lein von dem wil­den Geräusch­kon­zert auf­wacht und dem Kes­sel­fli­cker eine Zau­ber­pas­te schenkt. Damit kann er den Kaf­fee­topf dich­ten und wird von der Rie­sin reich belohnt.

Das Gerücht vom furchtbaren Kater

Der Fuchs hat den dicken fet­ten Kater aus der Stadt ein­ge­la­den. Der soll ja Zäh­ne haben schär­fer als ein Hai, ein Maul grö­ßer als ein Nil­pferd, und wer weiß, was sonst noch. Aus Angst vor ihm ver­schwin­den die Tie­re aus dem Wald und selbst der Fuchs macht sich am Ende aus dem Staub. Da wun­dert sich der dicke fet­te Kater aus der Stadt, dass es im Wald kei­ne Tie­re gibt und geht wie­der zurück in die Stadt.

Der blutende Finger

Vom dum­men August, der nur will, dass ihm der Fin­ger ver­bun­den wird. Aber in jedem Geschäft wol­len sie erst etwas Ande­res von ihm haben und um das zu bekom­men rennt Freund August bestimmt wie­der in das fal­sche Geschäft.